Pendelndes Sozialverhalten

4. Juni 2009 at 13:26 (Gesellschaft, Wirres Zeug)

Seit … oh je, Uuuurzeiten pendle ich zur Arbeit. Und da ich noch nie ein eigenes Auto besaß, vertraue ich meinen müden (morgens: noch nicht wach, abends: schon wieder müde) Körper den öffentlichen Verkehrsmitteln an. Glücklicherweise bis auf eine lange, lange Jahre zurückliegende Fehlverwohnung nur noch im Schienenverkehr, auf Busse bin ich dankenswerter Weise nicht mehr angewiesen.

Nun steige ich an einer S-Bahn Endhaltestelle ein und habe über lange Zeit hinweg das Glück gehabt, das Sozial- und Rudelverhalten von Pendlern beobachten zu dürfen – ein neuzeitlicher Heinz Sielmann quasi. Das aus der Quantenphysik bekannte „Wenn du was beobachtest, beeinflußt du es auch!“ ist in dieser Langzeitstudie eigentlich ein besonderes Glück, denn so konnte ich durch Veränderung meiner ureigenen Person auch Veränderung in der Verhaltensweise meiner Mitpendler feststellen.

Zum einen stelle ich fest, daß der gewöhnliche Pendler quasi automatisch der geborene Tetris-Spieler sein muß. Anders kann ich mir nicht erklären, warum sich ein frisch Zugestiegener zielstrebig zuerst einmal ein unbenutzes Vierer-Abteil vornimmt, bevor er sich auch nur der Möglichkeit hingibt, sich platztechnisch zu einer anderen Person zu setzen. Faszinierendes Gruppenverhalten ohne jede sichtbare Anwendung zwischenmenschlicher Kommunikation! Im Prinzip ist eine Bahn, in der jedes Abteil durch eine Person belegt ist, eigentlich voll – obwohl die Bahn nur 25% ihrer eigentlichen Kapazität in sich aufgenommen hat. 

Dies schreibe ich meiner persönlichen (gut, wahrscheinlich bin ich nicht der erste, der auf sowas kommt, aber mir fehlt es gerade an Motivation, genauer danach zu suchen) Theorie der Existenz einer von mir proximotional bubble genannten Blase zu, die jeden Menschen umgibt und dessen Wohlfühlzone kennzeichnet. Durchdringt man sie unaufgefordert, kann man alles mögliche aus einem Sortiment von kritischen Blicken bis zum Messer in die Brust ernten, was natürlich viel mit der Persönlichkeit des Eingedrungenen zu tun hat. Anderes Thema.

Ein weiteres Indiz für die Existenz der proximotional bubble ist das Verhalten der Städter sobald sich die Bahn dermaßen gefüllt hat, sodaß der werte Fahrgast keinerlei Möglichkeit hat, die Unversehrtheit seines Wohfühlbereichs zu erhalten und zum Platzieren des Hinterns neben oder gegenüber einem oder – oh Schreck! – mehrerer Personen gezwungen wird. Hier kann man einige differente Strategien und Verhaltensmuster erkennen:

  • Der Sucher – diese Person durchschreitet auf der Suche nach einem geeigneten Platz meist den kompletten Wagon bzw. Bahn auf der Suche nach einem möglichst geeigneten Platz. Die Suche endet nachdem ein nur teilweise geklärter Algorithmus eine akzeptable Sitzgelegenheit gefunden hat oder alternativ mit dem Ende des Wagons, bzw. Bahn. Sollte letzteres greifen übernimmt die Überlegung „Wie bescheuert muß das aussehen, wenn ich jetzt wieder 5m zurück stampfe, weil da noch die beste Sitzgelegenheit zu sein scheint?“ über das persönliche Empfinden die Kontrolle und platziert sich einfach erstmal irgendwo. Teilweise wurden diese Personen dabei beobachtet, wie sie bei nächster Gelegenheit den Wagon verlassen, um schnellen Schrittes einen erneuten Versuch im angrenzenden Wagon zu unternehmen.
  • Don Juan – dieses zu 99% männliche Geschöpf legt weniger wert auf die Erhaltung der eigenen bubble als auf das mögliche Vereinigen seines Bläschens mit dem eines zu 99% weiblichen Fahrgasts. Die Vorgehensweise ähnelt vordergründig dem des Suchers, allerdings liegen die Prioritäten eindeutig an anderer Stelle. Hat Don Juan sein potentielles Opfer geortet, platziert er sich in möglichst unauffällig auffälliger Pose und beginnt mit zartem Balzverhalten. Ist er hierbei zu aufdringlich, kann es sein, daß sein Objekt der Begierde ihrerseits zum Sucher wird und die Flucht antritt.

Insgesamt finde ich diese temporäre Partnersuche einfach wahnsinnig interessant. Aus dem menschlichen Aspekt her ist es nichts anderes als ein kleiner Mikrokosmos der aus dem Überleben der Menschheit heraus geboren wurde: Millisekundenschnelles Abschätzen der bereits sitzenden Klientel und die Entscheidung via dem berühmten Ersten Blicks, ob ein Sitzplatz klar geht oder nicht.

Empirische Studien in eigener Person haben bewiesen, daß man selbst durchaus Einfluß nehmen kann, wie diese Entscheidung ausfällt. Sitze ich mehr oder weniger zusammengesunken da, habe meine Bag womöglich noch auf dem Sitz gegenüber liegen und die Beine etwas ausgestreckt, dann kann ich damit erreichen, bis zum ultimo momento ein Abteil ganz für mich zu erhalten. Die Umwelt erkennt an: Den stör ich besser nicht, da kommts nur zu Grenzkonflikten.

Aber auch die Kleidung ändert das Verhalten immens. Gerade weibliche Fahrgäste sind sehr kritisch was die Wahl des Sitzplatzes angeht, wittern sie erstmal in jedem anderen männlichen Passagier eine latente Gefahr. Mein Otto-normal Outfit besteht aus Jeans, lässigen k-swiss sneakers und einem Shirt was beim weiblichen Volk eher dubios ankommt. Trage ich aufgrund der Witterung (morgens kühl, mittags heiß, abends warm) z.B. noch einen Hoodie, dann ist der Ofen komplett aus. Aber wehe ich hab mich zum Beispiel zu einem Vorstellungsgespräch mal ordentlich rausgeputzt, Hemd, Krawatte und pipapo, da wird der Hyde zum Jekyll, man strahlt Sicherheit und Selbstbewußtsein aus, die Gefahr ist wie weggeblasen.

Mh, da pulsiert doch gleich ein ganz anderer Gedankengang durch mein Kleinhirn: Macht ein Anzug sympathischer? Fakt ist, daß er meinen Jungs und mir damals nach dem Studium zu einer tollen WG-Wohnung verholfen hat… hm, aber das ist wiederum eine andere Geschichte.

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Aufbau Ost mal anders

3. Juni 2009 at 13:33 (Technik, Wirres Zeug) ()

Vor 25 Jahren hatte der Russe Alexey Pajitnov eine Idee, die wenig später um die ganze Welt ging. Ein simples Spielchen, in dem man herunterfallende Klötze mit unterschiedlichen, einfachen Formen am unteren Bildschirmrand stapeln mußte: Tetris war geboren. Mittlerweile gibt es bereits medizinische Untersuchungen, die diesem Spiel therapeutische Fähigkeiten bescheinigen. Dies trifft wohl nicht bei jedem Spieler zu, trotzdem herzlichen Glückwunsch!

Ein anderer Klassiker ist Monkey Islands („Du kämpfst wie ein dummer Bauer!“ „Wie passend. Du kämpfst wie eine Kuh.“), der nach fabulösen drei Teilen und einem vierten, den Kenner und Connaiseure besser verschweigen wieder Nachwuchs bekommen soll. Es soll von Telltale Games zusammen mit LucasArts entwickelt werden und in der Manier des Sam & Max Remakes als Episodenspiel veröffentlich werden.

Hm.

Es führt wohl kein Weg mehr um 3D herum. Ich bin schon berufsbedingt neuer Technik ja stets aufgeschlossen, aber während im Shooter-Bereich die Entwicklung immer weiter voran schreitet, wirkte bis jetzt jedes dieser 3D Adventures auf mich, als wäre es ein Schulprojekt an einer medial ausgerichteten Hochschule – wobei ich den Studenten damit vermutlich Unrecht tue. Mag sein, daß die Nostalgie aus mir spricht, aber schon Sam & Max hat mir im Original schon besser gefallen.

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Deutschland glimmt

3. Juni 2009 at 12:54 (Politik, Wirtschaft) (, )

Falls Sie es noch nicht mitbekommen haben, etwa weil Sie die letzten Jahre als Eisblock bei Anatoli Bogdan verbracht haben: Um Deutschland stehts in letzter Zeit nicht so besonders. Nachdem die Marktwirtschaft Hand in Hand mit dem Kapitalismus die Welt an einen Abgrund getrieben hat (ich weigere mich hier name-calling oder finger-pointing zu betreiben, denn irgendwie stecken wir ja fast alle mehr oder minder mit drin) gibts von Seiten der Regierungen eben jenes Planeten massenweise Aktionsmus.

Doof für uns, daß wir schon im Vorwahlkampf stecken und in altgewohnter Manier so mancher Politiker die Realität vor lauter Stimmzetteln nicht mehr sieht. Umso erfrischender kommt für mich unser Wirtschaftsminister zu Guttenkamp daher, der sich glatt erdreistet im Kampf um Opel gegen den Strom zu schwimmen und in der Art anzugehen, wie diese Krise drüben, über den großen Teich geregelt wird. Oder es zumindest probiert – nicht aufgeben, bitte!

Für mich persönlich stellt sich zum Beispiel bei Arcandor schon die Frage, ob es eine Regierungspflicht ist, angeschlagene Unternehmen über Bürgschaften, Kredite oder sonstige Mittel konsequenzlos zu retten. Klar, 50.000 Arbeitsplätze, das ist ne Menge Holz, aber kann das gut gehen? Manager, die Arcandor auch schon ohne Krise und schwierige Bedingungen heruntergewirtschaftet haben bitten nun untertänigst um Unterstützung.

Herr Zu Guttenkamp, übernehmen Sie.

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Alpha

3. Juni 2009 at 12:13 (Wirres Zeug)

„Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt.“

Irgendwie ist es mir fast peinlich, dieses Blog mit einem dermaßen ausgelutschten und scheinbar aus dem Chinesischen stammenden Sprichwort einzuweihen. Und trotzdem trifft es dieses Unterfangen „Kühlschranklicht“ ja doch genau – was aufgrund seiner sehr generellen Aussage wohl auch kaum verwundert. Schopenhauser sagte in seinem Werk Die Welt als Wille und Vorstellung:

„Denn alles Streben entspringt aus Mangel, aus Unzufriedenheit mit seinem Zustand, ist also Leiden, solange es nicht befriedigt ist; keine Befriedigung aber ist dauernd, vielmehr ist sie nur der Anfangspunkt eines neuen Strebens.“

So weit, so pessimistisch. Zum Glück bin ich kein zweiter Schopenhauer, denn tief in mir verankert ist der Glauben, daß egal mit wieviel Scheiße dich das Leben segnet es irgendwann wieder bergauf geht. Auf und ab, auf und ab…

A propos ab: Die Wirtschaftswoche bekundet dies - wie überraschend! – der deutschen Wirtschaft. Aber dazu später mehr.

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